Jusos: Wirtschaft ist selbst schuld an Auswanderungswelle und Fachkräftemangel

Äußerungen von L.G. Braun (DIHK)

Die nordhessischen Jusos sind empört über die Aussagen vom Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun. Die Vorwürfe von Braun an die Politik seien eine Frechheit, so die Jusos.

Braun hatte vor der zunehmenden Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus Deutschland gewarnt. Braun sagte: „Immer mehr junge Leute kehren Deutschland den Rücken. Mit 145 000 Fortzügen hatten wir im vergangenen Jahr seit 1954 die höchste registrierte Abwanderung von Deutschen zu verzeichnen.“ Mehr als die Hälfte der Emigranten seien jünger als 35 Jahre. „Darunter sind viele qualifizierte und hoch motivierte Köpfe. Das ist ein Alarmzeichen. Eine zentrale Ursache für diesen Brain Drain ist, dass andere Länder oft bessere Standortbedingungen haben als Deutschland“, behauptete Braun.
„Uns Jusos ist ja bewusst, dass in der Wirtschaft und vor allem in deren Spitzenverbänden ein großer Verdrängungswettbewerb herrscht. Herr Braun hat aber gezeigt, dass es sich da aber vor allem um das Verdrängen der Realität handelt“, so der stellvertretende Vorsitzende des Juso-Bezirkes Hessen Nord, Tim Schmuch.

„Man muss sich doch nur die Schlagzeilen der letzten Wochen angucken, dass viele Unternehmen tausende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entlassen. Da braucht man sich doch über Auswanderungen nicht zu wundern, wenn diese Menschen von Herrn Braun und seinen Mitgliedsbetrieben keine Perspektiven mehr angeboten bekommen“, so Schmuch weiter. Die Vorwürfe von Braun an die Politik seien eine Frechheit, so die Jusos.

Die hohen Steuern und Sozialabgaben, ein nahezu undurchlässiger Arbeitsmarkt und „Defizite in der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur“ stellen nach Ansicht Brauns im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten große Standortnachteile dar. „Deutschland muss deshalb endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein“, so Brauns Ansicht.
Diese Äußerungen schlügen nach Ansicht der Jusos dem Fass den Boden aus.
„Für die ganz plötzlich entdeckten Missstände ist doch Herr Braun mit seiner dollen Truppe selbst verantwortlich. Junge Menschen bekommen auf dem Arbeitsmarkt keine Chance, weil nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, erfahrene ältere Mitarbeiter werden in den Vorruhestand abgeschoben, weil sie ein so horrender Kostenfaktor wären und die Wirtschaft beschwert sich dann, dass ihnen die Fachkräfte ausgehen? Das ist doch nur noch peinlich“, so Schmuch.
Braun solle sich doch mal überlegen, ob er geeignet für seinen Verbands-Job sei, wenn er die banalsten Zusammenhänge nicht verstünde, so die Jusos abschließend.

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