Mit Verlaub Blog

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Der Jugend eine Stimme geben

Ein Plädoyer für eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Vor einigen Tagen besuchte ich meine alte Gesamtschule. Es ist schon verrückt, wenn man nach Jahren der Abwesenheit mal wieder an den Ort zurückkehrt, an dem man so viele schöne und aufregende, aber auch peinliche und mitunter schlechte Dinge erlebt hat. Man geht durch die Flure und unweigerlich schießen einem Erinnerungen durch den Kopf, von denen man gar nicht mehr wusste, dass sie überhaupt noch da sind. Hinter der einen Ecke findet sich der Erfolg der eigenen Klasse beim letzten Sportturnier, hinter der anderen Ecke lauert der Spott der Mitschülerinnen und Mitschüler, den wir alle wohl das eine oder andere Mal erdulden mussten.

Ich erinnerte mich auch an die Jahre, in denen ich als Klassensprecher die nicht immer ausschließlich erfreuliche Aufgabe hatte, meine Freundinnen und Freunde zu vertreten. In dieser Zeit erlebte man Erfolg und Misserfolg gleichermaßen. Und auch wenn es bei weitem nicht der Regelfall war, so wurde einem doch mitunter das Gefühl vermittelt, von Erwachsenen nicht richtig ernst genommen zu werden. Das mag auch an einigen Stellen – zumindest aus heutiger Sicht – verständlich gewesen sein. Damals war es das aber (aus der subjektiven Sichtweise eines pubertierenden Jungen) beinahe nie. Vor allem Jugendliche empfinden Unrecht sehr intensiv.

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Von Fremdenhass im Nachtleben

Das Wochenende in Kassel war von Fremdenfeindlichkeit und Hass geprägt. Nicht nur die Parteizentralen von CDU und SPD wurden beschmiert, auch Spruchbanner mit eindeutigen Aussagen wurden in Kassel aufgehängt. Doch wer sind diese von Angst und Hass getriebenen Menschen? Einen von ihnen hat ein guter Freund von mir am Wochenende in einer Bar in Kassel getroffen. Mein Freund ist aus dem Iran nach Deutschland geflohen und sucht in Deutschland Schutz, da er sich in einer Studentenbewegung kritisch gegenüber dem Regime geäußert hat, was mit Verschleppung oder dem Tod bestraft wird. In den 14 Monaten seit seiner Ankunft hat er sich einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, die ersten Deutschzertifikate erworben, sich um ein Praktikum in einer großen Kasseler Firma beworben und eine eigene Wohnung im Landkreis bezogen. Beim Tanzen in der Bar wurde er von einer jungen Frau angesprochen, nicht etwa für einen Flirt, die Frau hatte eine Botschaft für meinen Freund und sie war eindeutig: „Scheiß Flüchtling, verschwinde aus der Bar!“ Vorbei die Zeiten, in denen vorrangig männliche Springerstiefelträger mit Glatze und Bomberjacke die braune Ecke vertraten. Nein. Diese neue Art des Hasses kommt in zivil, sie kommt bürgernah, vielleicht sogar aus „der Gesellschaft“. Mein Freund versuchte den Vorfall zu ignorieren, dachte es wäre vielleicht nur ein schlechter Scherz. Als ein Türsteher ihn fünf Minuten später aufforderte die Bar zu verlassen, da eine Frau sich beschwert hatte, er hätte sie sexuell belästigt, wurde ihm klar, dass es kein Scherz von ihr gewesen war. Diese vollzogene Perversion habe ich nur niedergeschrieben, um den öffentlichen Diskurs über Integration aus einer alltäglichen Perspektive eines Geflüchteten wiederzugeben mit der Bitte: Hinschauen! Unser Sozialstaat lebt von Menschlichkeit, Solidarität und Freiheit. Mit Respekt sollten wir denen Menschen entgegentreten, die daran teilhaben wollen. Dies sind wir ihnen schuldig.

 

von Lars Hennemann

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Unterwegs

Sechs Wochen bin ich unterwegs gewesen, ausnahmslos in Deutschland und ausnahmslos mit dem Zug. Das klingt zuerst gar nicht so spannend, möchte man meinen. Für mich sah das aber ganz anders aus. Ob Berlin oder München, Kassel, Lüdenscheid oder Leipzig und mit etwas zwei Tagen, die ich am Ende insgesamt in Zügen verbracht habe, sind auch die Eindrücke die ich vor Ort gewonnen habe enorm. Eines fiel mir aber besonders auf – Man führt viele Gespräche irgendwie mehrmals, mit dem selben Ergebnissen und meist auch dem selben Schulternzucken und „Hmm … “ – Lauten der Gesprächspartner.

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Warum Nordhessen mit einem ÖPNV-Ausbau Geld sparen kann

Wer sich im ländlichen Raum auf den Weg zur Schule, zur Ausbildungsstelle oder zur Arbeit macht, benutzt dafür meistens das Auto.(1) Und auch bei uns in Nordhessen entscheidet sich nur eine Minderheit für den ÖPNV. Schnell kann man den Eindruck gewinnen, dass sich Investitionen im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel nicht lohnen, geschweige denn erhöht werden sollten. Tatsächlich fordern einige Kommunalpolitiker*Innen bei diesem Thema Einsparungen vorzunehmen, gerade in Zeiten knapper Kassen. Aber mit Verlaub, ist dies wirklich der richtige Weg für unsere Region?

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Höcke und der Herkules-Kreis

„Für mich ist dieser Windräderwahn, der unsere Kulturlandschaft […] kaputt macht, nichts anderes als Ausfluss von einem tiefen und krankhaften Selbsthass.“ Björn Höcke, 27.05.2016 in Friedlos-Ludwigsau beim ersten Bürgergespräch des Herkules-Kreises.

Herkules-Kreis? Noch nie davon gehört? So ging es mir auch, bis ich am 26.05.2016 eine E-Mail mit dem Aufruf zu einer Gegenkundgebung erhielt. Absender war das Bündnis Bunt statt Braun Hersfeld-Rotenburg. Darin stand, Björn Höcke käme am 27.05.2016 als Hauptredner nach Friedlos-Ludwigsau zu einem Bürgergespräch des sogenannten Herkules-Kreises. Nun, jeder, der schon mal etwas von Höcke und seinen Reden gehört hat, kann sich denken, in welche Richtung diese Veranstaltung mit ihm als Hauptredner gehen würde, aber dazu später mehr.

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