Von Fremdenhass im Nachtleben

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Das Wochenende in Kassel war von Fremdenfeindlichkeit und Hass geprägt. Nicht nur die Parteizentralen von CDU und SPD wurden beschmiert, auch Spruchbanner mit eindeutigen Aussagen wurden in Kassel aufgehängt. Doch wer sind diese von Angst und Hass getriebenen Menschen? Einen von ihnen hat ein guter Freund von mir am Wochenende in einer Bar in Kassel getroffen. Mein Freund ist aus dem Iran nach Deutschland geflohen und sucht in Deutschland Schutz, da er sich in einer Studentenbewegung kritisch gegenüber dem Regime geäußert hat, was mit Verschleppung oder dem Tod bestraft wird. In den 14 Monaten seit seiner Ankunft hat er sich einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, die ersten Deutschzertifikate erworben, sich um ein Praktikum in einer großen Kasseler Firma beworben und eine eigene Wohnung im Landkreis bezogen. Beim Tanzen in der Bar wurde er von einer jungen Frau angesprochen, nicht etwa für einen Flirt, die Frau hatte eine Botschaft für meinen Freund und sie war eindeutig: „Scheiß Flüchtling, verschwinde aus der Bar!“ Vorbei die Zeiten, in denen vorrangig männliche Springerstiefelträger mit Glatze und Bomberjacke die braune Ecke vertraten. Nein. Diese neue Art des Hasses kommt in zivil, sie kommt bürgernah, vielleicht sogar aus „der Gesellschaft“. Mein Freund versuchte den Vorfall zu ignorieren, dachte es wäre vielleicht nur ein schlechter Scherz. Als ein Türsteher ihn fünf Minuten später aufforderte die Bar zu verlassen, da eine Frau sich beschwert hatte, er hätte sie sexuell belästigt, wurde ihm klar, dass es kein Scherz von ihr gewesen war. Diese vollzogene Perversion habe ich nur niedergeschrieben, um den öffentlichen Diskurs über Integration aus einer alltäglichen Perspektive eines Geflüchteten wiederzugeben mit der Bitte: Hinschauen! Unser Sozialstaat lebt von Menschlichkeit, Solidarität und Freiheit. Mit Respekt sollten wir denen Menschen entgegentreten, die daran teilhaben wollen. Dies sind wir ihnen schuldig.

 

von Lars Hennemann

Bildlizenz

Autoren:Sebastian Fiedler

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