Kassel, 29. September 2026
Die Jusos Hessen-Nord kritisieren die jüngsten Äußerungen des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU) zur sogenannten „Stadtbild“-Debatte. Rhein hatte sich dafür ausgesprochen, die im vergangenen Jahr von Bundeskanzler Friedrich Merz angestoßene Diskussion fortzuführen und sie als richtige Debatte bezeichnet. Dabei verwies er unter anderem auf Einwanderung in die Sozialsysteme und auf Kriminalität von zugewanderten Menschen.
Die Co-Vorsitzende der Jusos Hessen-Nord Finja Müller erklärt:
„Wir verurteilen diese erneute Stadtbild-Debatte aufs Schärfste. Wer Migration mit einem vermeintlichen Problem unseres Stadtbildes verknüpft, sendet ein fatales Signal an Millionen Menschen, die seit Jahren und Jahrzehnten selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft sind. Unsere Städte werden nicht trotz ihrer Vielfalt lebenswert, sondern auch durch sie.“
Gerade Nordhessen zeigt, wie selbstverständlich eine vielfältige Gesellschaft längst Realität ist. Allein in Kassel lebten Ende 2025 nach Angaben der Stadt 95.183 Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht rund 46 Prozent der im Melderegister erfassten Bevölkerung. Der Kasseler Integrationsbericht weist für 2024 zudem aus, dass rund 66,5 Prozent der in Kassel lebenden Kinder einen Migrationshintergrund haben.
Co-Vorsitzender Max Felker ergänzt:
„Ein Ministerpräsident sollte Menschen zusammenbringen und nicht darüber diskutieren, welche Bevölkerungsgruppen angeblich das Stadtbild zum Problem machen. Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss über bezahlbares Wohnen, gute Schulen, funktionierende Jugend- und Sozialarbeit, Sprachförderung und echte Teilhabe sprechen. Das sind die Fragen, die darüber entscheiden, ob Integration gelingt.“
Die Jusos Hessen-Nord warnen davor, gesellschaftliche Probleme pauschal auf Herkunft oder Migration zu reduzieren. Kriminalität müsse unabhängig von der Herkunft der Täterinnen und Täter konsequent verfolgt werden. Gleichzeitig dürften soziale Herausforderungen nicht ethnisiert werden.
Statt einer erneuten Debatte über das „Stadtbild“ fordern die Jusos eine stärkere Konzentration auf die soziale Infrastruktur. Dazu gehörten insbesondere eine verlässliche Finanzierung von Jugend- und Sozialarbeit, Integrations- und Sprachförderung, bezahlbarer Wohnraum sowie Unterstützung für Kommunen und ehrenamtliche Initiativen.
Die Jusos Hessen-Nord erklären abschließend, dass politische Debatten über Migration konkrete Probleme benennen und lösen müssten, ohne Menschen aufgrund ihrer Herkunft pauschal zum gesellschaftlichen Problem zu erklären.
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