Wir gedenken am heutigen Tag Halit Yozgat, der vor 14 Jahren in einem Kasseler Internet-Café durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordet wurde.
Die Jusos Hessen-Nord stehen solidarisch an der Seite aller Hinterbliebenen und Trauernden.
Der Vorsitzende der Jusos Hessen-Nord, René Petzold, erklärt dazu: „Die Taten des NSU zeigen deutlich, welche zerstörerische Kraft der rechte Terror in Deutschland hat.
Bisherige Untersuchungen im NSU- Ausschuss des hessischen Landtags zeigen, dass die rechtsradikale Szene im Raum Kassel weitaus stärker und internationaler vernetzt ist, als das bisher angenommen wurde. Viele Indizien sprechen dafür, dass der Mörder von Halit Yozgat einen Unterstützungskreis hatte.“


Auch das System der sogenannten “Vertrauensleute” zeige große Lücken auf. Bei V-Leuten handele es sich um aktive oder ausgestiegene Menschen aus rechten Kreisen, welche sich regelmäßig mit Mitarbeiterinnen der Geheimdienste und der Polizei treffen und dafür eine Entlohnung erhielten. „Insbesondere im Blick auf den Mord an Halit Yozgat zeigt sich, dass dieses System der V-Leute so nicht aufgeht.“, sagt die Stellvertretende Vorsitzende der nordhessischen Jusos, Laura Brüchle. So sei beispielsweise die Rolle des Verfassungsschutzmitarbeiters Temme beim Mord an Halit Yozgat genauso ungeklärt wie die Frage, welche Menschen genau in den Jahren der Morde zu den V-Leuten gehörten. Brüchle sagt weiter: „Bei einem möglichen neuen Untersuchungsausschuss muss stärker die Perspektive von Betroffenen der rechten Gewalt im Fokus stehen. Es müssen Betroffene, Opferberatungsstellen und unabhängige Expertinnen zu den Themen geladen werden, um die Emotionalität und Auswirkungen von rechtem Terror aufzuzeigen.
Auch die unerhörte Bitte von Halits´ Familie sollte nachgegangen werden. Diese fordern eine Umbenennung von der Holländischen Straße in „Halitstraße“.“
Petzold erklärt abschließend: „Eine lückenlose Aufklärung der Netzwerke rechter Gewalt kann nur durch einen transparenten Prozess gelingen. Wir fordern daher eine sofortige Öffnung aller Akten im NSU-Komplex.“

Die Jusos Hessen-Nord gedenken auch den weiteren, bekannten Opfern des NSU: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar,Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Michèle Kiesewetter.

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